Allgemein zum Thema Keimung & Aussaat von Saatgut

ÜBER UNS


Auf dieser Seite wird die generelle Vorgehensweise für eine erfolgreiche Anzucht allgemein erläutert.

Die für einzelne Arten spezifischen Aussaathinweise finden Sie in der Produktbeschreibung der entsprechenden Pflanze in meinem Onlineshop


Vorbereitung der Samen

Die meisten Samen keimen relativ leicht und unproblematisch ohne viel Vorbereitung, und andere wiederum bedürfen einer speziellen Behandlung, um die Keimruhe zu durchbrechen. In der Natur bewirkt die Keimruhe, dass das Saatgut erst austreibt, wenn die Bedingungen für die Pflanze entsprechend gut sind. Die Keimruhe verhindert bei sogenannten Kaltkeimern z.B., dass ein Samen, der im Herbst gereift ist, schon nach ein paar Wochen bereits austreibt und letztendlich dann dem Winter zum Opfer fällt. Sie haben also einen Schutzmechanismus, der erst im Frühjahr bei ansteigenden Temperaturen die Keimung zulässt. Gesteuert wird die Keimung durch zwei Hormone im Samenkorn, welche durch Feuchtigkeit und Temperatur beeinflusst werden. Eine Biochemische Reaktion, die abläuft und ein Keimen erst zulässt, wenn die Samenschale aufgeweicht ist und die Temperaturen nach einer längeren Kälteperiode wieder steigen. Dieser Vorgang trifft auf viele bei uns heimische Pflanzen zu und insbesondere auf Pflanzen aus Gebirgsregionen. Derartige Samen benötigen somit zum Austreiben eine spezielle Vorbereitung in Form einer Kältebehandlung (Stratifikation). Andere Samen wiederum, insbesondere solche mit sehr dicker Samenschale, benötigen eine mechanische Behandlung durch Aufrauen mit Sandpapier.


Stratifikation von Kaltkeimern

Die einfachste Möglichkeit der Stratifikation ist, man lässt die Natur das ganze erledigen, indem man im späten Herbst direkt ins Freiland oder in einen Topf auf dem Balkon aussäht und auf die Keimung im Frühjahr wartet. Sollte die Jahreszeit dafür nicht passen, dann kann man auch den Kühlschrank verwenden. Einfach das Saatgut mit leicht feuchtem Substrat - am besten Sand - in einem Gefäß in den Kühlschrank stellen. Meistens reichen 4 Wochen aus. Sollte es bei einer Art mal mehr sein, dann ist das in der entsprechenden Produktbeschreibung angegeben. Um das Austrocknen im Kühlschrank zu verhindern, sollte man das Gefäß abdecken. Mit Entnahme der Samen aus dem Kühlschrank und den steigenden Temperaturen tritt die Keimung ein. Nicht notwendig aber besser kann es sein, wenn der Temperaturanstieg nicht so schlagartig geschieht, dass man das Saatgut noch eine Woche im zum Beispiel im kühlen Keller lässt.


Skarifikation

Samen mit einer dicken Schale oder Samen, die von einer wachsigen Schicht überzogen sind erschweren dadurch das Eindringen von Feuchtigkeit und die dadurch auszulösende Keimung. Bei solchem Saatgut empfiehlt es sich, die Samenschale mit Sandpapier aufzurauhen oder mit einer scharfen Klinge vorsichtig anzuritzen, um die Wasseraufnahme zu ermöglichen und die Keimdauer damit deutlich herabzusetzen. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, man sollte nicht zu tief einritzen und dabei das Sameninnere zerstören. Nachdem das Saatgut entsprechend bearbeitet wurde, lässt man es für etwa 24 Stunden in Wasser aufquellen, spült und trocknet es danach ab und pflanzt es anschließend ein.

Warmkeimer:

Tropische Pflanzen und Subtropische Arten kommen gut mit einer Temperatur von ca. 22-25°C zurecht. Die Temperatur wirkt sich oft erheblich auf die Keimdauer aus. Manche Pflanzen wie Helikonien benötigen auch noch höhere Temperaturen. Dabei kommt man wohl noch kaum um die Anschaffung eines dieser kleinen, beheizbaren Mini-Gewächshäuser herum. Was Abhilfe schaffen kann, um Temperatur und Feuchtigkeit zu halten, ist das Abdecken des Pflanzgefäßes mit durchsichtiger Folie oder auch das ganze Gefäß in einen Beutel einpacken. Damit steigt allerdings die Schimmelgefahr enorm und tägliches Lüften ist absolut notwendig.


Lichtkeimer:

Wie „Lichtkeimer“ schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um Samen, die Licht zum Keimen benötigen. Diese Samen soll man nicht mit Erde bedecken, sondern lediglich auf die Oberfläche aufstreuen und etwas andrücken, damit das Saatgut auch Kontakt zum Substrat hat und nicht sofort austrocknet. Die Samen sind meist so klein und fein, wenn man die mit Erde abdeckt, dann reicht einfach die Kraft des Keimlings nicht aus, um an die Oberfläche zu kommen. Da die Samen so fein sind, sollte man vorsichtiger hantieren und auch nur von unten gießen oder eine Sprühflasche verwenden. Austrocknen würde für die Samen ebenfalls ein sehr schnelles Ende bedeuten, darum die Pflanzgefäße insbesondere am Anfang immer abdecken, um Verdunstung zu vermeiden. Täglich lüften ist wichtig.


Aussaatsubstrat:

Ein wesentlicher Faktor einer erfolgreichen Anzucht ist das Substrat. Die sehr feinen Wurzeln von Keimlingen sind sehr empfindlich und würden sich in normaler, gedüngter Blumenerde nicht richtig entwickeln, sondern „verbrennen“. Im Handel ist für diesen Zweck spezielle Aussaaterde erhältlich. Damit sich die Wurzeln gut entwickeln können, sollte das Substrat locker und durchlässig sein, damit sowohl Sauerstoff als auch Wasser an die Wurzeln kommt. Um das zu gewährleisten, vermischt man die Aussaaterde mit etwa einem Drittel Sand (z.B. Vogelsand aus dem Supermarkt), wodurch starkes „Verkleben“ des Substrats und auch Staunässe gut verhindert werden können. Das Substrat darf nicht zu feucht sein, dadurch würde das Saatgut leicht verfaulen und Schimmelbildung begünstigen. Presst man das Substrat in der Hand zu einer Kugel darf sich kein Wasser ausscheiden!


Aussaattiefe:

Als Faustregel gilt: Eine gute Aussaattiefe entspricht etwa dem doppelten Durchmesser des Samenkorns. Sehr kleine Samen werden lediglich auf das Substrat aufgestreut und leicht angedrückt bzw minimal mit Substrat bedeckt (siehe Lichtkeimer).


Nach der Aussaat:

Für eine erfolgreiche Keimung ist eine konstante Feuchtigkeit und eine für die Art entsprechende Temperatur erforderlich. Das Substrat darf nicht austrocknen, da empfindliches Saatgut hierdurch sofort zerstört werden kann. Insbesondere bei feinem Saatgut, welches nur auf das Substrat aufgestreut wurde, ist die Gefahr der Austrocknung sehr hoch, darum sollte man das Pflanzgefäß mit durchsichtiger Folie abdecken oder es in einen Gefrierbeutel packen, wodurch übermäßige Verdunstung verhindert wird, die Luftfeuchtigkeit ansteigt und ein Treibhausklima entsteht. Gegossen wird am besten von unten her oder mit einer Sprühflasche, damit sich das Substrat nicht unnötig verdichtet. Zu viel gießen ist genauso tödlich wie zuwenig Wasser, die Erde soll lediglich feucht sein, keinesfalls nass! Um Schimmel zu verhindern, sollte man gelegentlich lüften.