Auf der ganzen Welt ist Chili eine beliebte Zutat, die leckeren Gerichten eine ganz besondere Note verleiht. Botanisch gehören die Früchte der Pflanzengattung Capsicum (Paprika) aus der Familie der Nachtschattengewächse zu den Beerenfrüchten. Die Pflanzen sind auch bei Hobbygärtner sehr beliebt. Wenn einige Faktoren beachtet werden, ist die Chilizucht aus Samen keineswegs kompliziert.

Anleitung zur Anzucht von Chili

1. Keimzeit verkürzen
Die Samen werden vor der Anzucht für etwa 24 Stunden in abgekochtes und wieder abgekühltes Wasser gelegt. Diese Einweichphase sorgt für eine Verkürzung der Keimzeit.

2. Pflanzzeit
Die beste Zeit für die Aussaat ist die Zeitspanne von Mitte Januar bis März.

3. Pflanzgefäß & Substrat
Empfehlenswert sind Saatschalen, die etwa zu 3/4 mit Aussaat-Erde befüllt werden.

4. Aussaat
Die Samen werden nun mit einem Abstand von etwa 3 bis 4 cm auf dem Substrat verteilt. Anschließend wird eine etwa 0,5 cm starke Schicht Aussaat-Erde auf den Samen verteilt und leicht angedrückt.

5. Substrat befeuchten
Mit einer Sprühflasche wird das Substrat leicht angefeuchtet. Dieses Hilfsmittel ist ideal, da eine bessere Dosierung möglich ist. Die Erde sollte gut feucht und keinesfalls nass sein!

6. Abdecken
Um eine schnelle Austrocknung zu verhindern und zur Gewährleistung eines optimalen Mikroklimas sollte eine Glasplatte auf die Aussaatschale gelegt werden. Alternativ kann auch herkömmliche Frischhaltefolie verwendet werden.

7. Standort
Helligkeit ist bei der Wahl des richtigen Standortes nicht das entscheidende Kriterium. Wichtig ist in erster Linie eine warme Umgebungstemperatur, die im Idealfall bei etwa 25 bis 30 °C liegt.

8. Standortwechsel
Zeigen sich die ersten Babypflänzchen, wird die Aussaatschale an einen hellen und ebenfalls warmen Standort gestellt.

9. Pikieren
Pikiert werden die Jungpflanzen erst nach dem dritten Blattpaar. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, damit die zarten Wurzeln nicht verletzt werden.

10. Töpfe & Substrat
Sie werden bis kurz vor die Keimblätter pikiert und in etwa 9 x 9 cm große Töpfe gesetzt (rund oder eckig). Das Substrat kann aus 50 % Pflanzerde und 50 % Kokohum selbst gemischt werden. Empfehlenswert ist die Zugabe von etwas Perlit zur Auflockerung. Bis Mai bleiben die Pflänzchen in diesen Töpfen und wachsen fleißig.

11. Auspflanzen
Ab Mitte bis Ende Mai können die Pflanzen in den Garten, in Kübel auf Balkon oder Terrasse sowie ins Gewächshaus gepflanzt werden. Wichtig ist diesbezüglich jedoch, dass keine Frostgefahr mehr besteht. Zur Aufbesserung des Bodens kann etwas Komposterde verwendet werden.

12. Düngen
Für die Düngung der Pflanzen ist ein hochwertiger Flüssigdünger ideal.

13. Überwintern
In der Regel werden Chilipflanzen einjährig angebaut. Wenn die Pflanzen frostfrei in der Wohnung überwintern, ist jedoch auch eine mehrjährige Kultivierung problemlos möglich.

 

 

Kultiviert & vielfältig: 5 Capsicum-Arten

Weltweit gib es mehr als 4.000 Chilisorten, die sich überwiegend in fünf kultivierte Arten sowie etwa 28 Wildformen einteilen lassen. Bei den kultivierten Arten handelt es sich um:

– Capsicum annuum
– Capsicum chinense
– Capsicum frutescens
– Capsicum baccatum
– Capsicum pubescens

Die größte Gruppe ist die Art Capsicum annuum L., die gleichzeitig auch die weiteste Verbreitung vorweisen kann. Seltener sind Chilisorten, die den etwa 28 Wildarten zugerechnet werden, hier ist die genaue Bestimmung meist schwierig. Nachstehend stellen wir die fünf kultivierten Arten jeweils in einem kurzen Porträt vor.

verschiedene Capsicum Arten

die verschiedenen Capsicum Arten

Einjähriger Paprika (Spanischer Pfeffer): Capsicum annuum

Die Pflanze mit dem wissenschaftlichen Namen Capsicum annuum ist auch unter der Bezeichnung Zierpfeffer bekannt. Ursprünglich stammt sie vermutlich aus Mexiko und ist in einem Gebiet von Nord-Kolumbien bis in den Süden der USA verbreitet. Spanischer Pfeffer kann eine Höhe von bis zu 1,50 m erreichen und wächst als Halbstrauch mit buschig aufrechtem Wuchs. Eine Kultivierung der einjährigen Pflanze kann problemlos länger als ein Jahr erfolgen, wenn sie an ihrem Standort nicht allzu kühlen Temperaturen ausgesetzt ist. Sie bevorzugt einen hellen Standort mit durchlässigem Boden und direkte Sonneneinstrahlung sowie Staunässe sollten vermieden werden. Zu dieser Gruppe gehören milde bis scharfe Arten mit unterschiedlichen Fruchtfarben und -formen.

 

Chinesischer Chili: Capsicum chinense

Der Name dieser Pflanze ist etwas irreführend, denn sie ist in Südamerika beheimatet und stammt keineswegs aus China. Die Namensgebung beruht auf einem Irrtum des bekannten Botanikers Nikolaus von Jacquin, der ein Exemplar dieser Pflanze von einem chinesischen Händler erhalten hatte. Zu dieser Pflanzengruppe gehören die schärfsten Vertreter wie beispielsweise die Habanero sowie einige mildere Arten. Meist erreichen die Pflanzen eine Höhe von etwa 45 bis 75 cm. Charakteristisch für Capsicum chinense Jacq. sind der buschig breite Wuchs und das meist etwas zerknittert wirkende Aussehen der Blätter. Eine klassisch langezogene Chiliform ist eher selten, die farbigen Früchte sind bei kultivierten Formen meist rundlich und faltig.

 

Strauchförmiger Chili: Capsicum frutescens

Bekannteste Vertreterin dieser Gruppe ist die Sorte Tabasco, die in erster Linie durch die gleichnamige Würzsoße bekannt wurde. Erstmals beschrieben wurde die Pflanze durch den schwedischen Naturforscher Carl von Linné. Capsicum frutescens ist ein aufrecht und buschig wachsender Strauch, der eine Höhe von bis zu 2 m erreichen kann. Im Vergleich zu den meisten Vertretern der Art Capsicum annuum L. reifen die Früchte vergleichsweise langsam und enthalten deutlich mehr Capsaicin. Die Pflanze wächst langsamer als andere Arten, eignet sich jedoch hervorragend für die mehrjährige Kultivierung. Ideal sind ein leicht feuchter und durchlässiger Boden sowie ein heller Standort.

 

Beerenartiger Chili: Capsicum baccatum

In der Wildform besitzt Capsicum baccatum eher kleine und beerenartige Früchte, wie der wissenschaftliche Name andeutet (baccatum = beerenartig). Die kultivierten Vertreter zeigen sich jedoch meist rundlich abgeflacht oder länglich spitz. Möglich sind orange-rote oder gelbe und seltener auch braune Farbgebungen. Die Pflanze wächst relativ schnell und kann bereits im ersten Jahr eine Höhe von 2 m oder mehr erreichen. Sie besitzt einen aufrechten Wuchs mit starker Verzweigung und zeigt im Vergleich zu Capsicum annuum einen deutlich späteren Blütenansatz, aus diesem Grund ist eine etwas frühere Aussaat empfehlenswert. Die frostempfindliche Pflanze bevorzugt einen hellen und warmen Standort mit durchlässigem Boden.

 

Behaarter Chili / Baumchili: Capsicum pubescens

Baumchili wächst überwiegend in Mittel- und Südamerika und erhielt den wissenschaftlichen Namen Capsicum pubescens aufgrund der charakteristischen Behaarung der Blätter (pubescens = behaart). Diese Pflanze kann ein Alter von bis zu 15 Jahren sowie eine Höhe von etwa 4 m erreichen. Da sie vergleichsweise schnell verholzt, hat sich auch der Beiname Baumchili durchgesetzt. Capsicum pubescens R.&P. wächst als buschiger Halbstrauch und zeigt meist längliche Früchte mit abgerundeter oder eingedrückter Spitze. Die Formgebung kann je nach Art variieren und die Farben reichen von leuchtendem Gelb bis zu dunklem Braun. Ideal ist ein heller Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung.